Geschichte der Wohnungsgenossenschaft Mollstraße eG

Die Wohnhäuser der Mollstraße 5 bis 18 entstehen in den Jahren 1960 bis 1964. Im Frühsommer 1995 kündigt der damalige Eigentümer – die Wohnungsbaugesellschaft Mitte – an, die 248 Wohnungen verkaufen und parallel den eigenen Bestand sanieren zu wollen. Die Bewohnerinnen und Bewohner fürchten, zukünftig unkalkulierbaren Mietentwicklungen unterworfen zu sein. Für rund ein Drittel der damaligen Mieter steht deswegen zu diesem Zeitpunkt fest, die Wohnung selbst kaufen zu wollen. Einige schließen sich im Januar 1996 zu einer Initiative zusammen, um eine Genossenschaft zum Erwerb der Wohnungen zu gründen. Mit der Gründungsversammlung am 19. Juni 1996 wird es schnell ernst: Insgesamt 61 Mitglieder gründen gemeinsam die Wohnungsgenossenschaft Mollstraße e.G. Sie verabschieden eine Satzung und wählen einen Gründungsvorstand sowie -aufsichtsrat. Aus der Initiative wird ab diesem Punkt ein Unternehmen, das die Meinung vertritt, dass es an der Zeit sei, allen Bewohnerinnen und Bewohnern eine langfristige Perspektive des Wohnens in Eigenverantwortung zu ermöglichen. Innerhalb von drei Monaten führen die Initiatoren eine Befragung der Bewohnerinnen und Bewohner durch, in der sich 42 Prozent prinzipiell für ein Genossenschaftsmodell aussprechen. Es bleibt jedoch die Frage der Finanzierung. Viele Banken halten das Projekt nicht für wirtschaftlich rentabel und lehnen eine Finanzierung ab. Doch nach langem Suchen findet sich schließlich eine Bank, welche die Idee unterstützt und gemeinsam mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau die Finanzierung zum Kauf der Immobilie sichert. Die Genossenschaft muss zusätzlich über ihre Mitglieder 1,23 Millionen Euro selbst aufbringen. Am 1. April 1997 übernimmt die Wohnungsgenossenschaft Mollstraße offiziell die Bewirtschaftung der Immobilien – und startet prompt ihre Sanierungsmaßnahmen. Bis heute wurde neben vielen anderen Maßnahmen vor allem eine Wärmedämmung angebracht, das Heizsystem erneuert, das Müllsystem neu organisiert, Balkone angebracht, Fahrstühle modernisiert, Bäder saniert. Die Genossenschaft ist heute in einer guten Verfassung, die Häuser sind in einem sehr guten Zustand. In den nächsten Jahren wird es darum gehen, weiterzudenken und neue Ideen für alle Mitglieder zu entwickeln, um sie zu unterstützen, ob ältere und pflegebedürftige Mitglieder oder Familien mit Kindern. Denn es geht bei genossenschaftlichem Leben vor allem um eins: Ein solidarisches Miteinander und gegenseitige Hilfe. In diesem Sinne: Auf eine gute Nachbarschaft.

(Foto: Wendt)
1963
(Foto: Müller)
1963