In eigener Sache

An dieser Stelle berichtet der Vorstand der Mollgenossenschaft eG zu aktuellen Themen.

Was tun, wenn versammeln keine gute Idee ist?

Jährlich Anfang Juni erhalten die Mitglieder unserer Genossenschaft die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung. Sie findet seit vielen Jahren immer im Umfeld des Gründungstages unserer Genossenschaft, dem 19. Juni, statt. Zentrale Inhalte sind Information, Diskussion und Beschlussfassung zum Jahresabschluss auf den 31.12. des Vorjahres und die Wahl von Mitgliedern in Vorstand bzw. Aufsichtsrat unserer Genossenschaft.

So hatten wir es auch für den 16.06.2020 geplant. Den Jahresabschluss 2019 hatte der Vorstand am 01.04.2020 aufgestellt, der Aufsichtsrat hatte ihn beraten und zur Vorlage zur Prüfung und an die Mitgliederversammlung überwiesen. Am 06.04. begann dann die Prüfung durch den genossenschaftlichen Prüfverband.

Kurz zuvor wurden die umfassenden Regelungen zum Lockdown in Kraft gesetzt. Dennoch konnten die Gremien den ursprünglichen Plan zu den Jahresabschlussarbeiten und zur Prüfungsvorbereitung einhalten. Dennoch blieb unklar, wie zu einem damals noch weit entfernt liegenden Termin im Juni eine ordentliche Mitgliederversammlung durchführbar sein sollte. Aber irgendwie gab es noch ein Stück Hoffnung, dass sich im Juni eine Möglichkeit ergeben könnte.

Inzwischen ist klar, dass ungeachtet bereits erfolgter gesellschaftlicher Lockerungsübungen die Risiken der Pandemie fortbestehen, ein erheblicher Teil der Teilnehmenden zur Hochrisikogruppe gehört und versammeln keine gute Idee ist. Vor Vorstand und Aufsichtsrat stand also die Frage der Verschiebung auf einen unbestimmten Zeitpunkt. Oder böten sich andere Möglichkeiten, den Abschluss ordnungsgemäß festzustellen? Und wer sollte dies tun? Wer entscheidet über den Abschluss, Entlastung und die Gewinnverwendung? Wer wählt die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat, deren Amtszeit mit der Mitgliederversammlung endet?

Bereits am 27.03.2020 hatte der Gesetzgeber mit seinem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ den Weg dafür aufgezeigt. Dieses Gesetz räumt in Art. 2 §3 Abs.1 allen Genossenschaften die Möglichkeit ein, dass ihre Mitglieder die im Jahr 2020 notwendigen Beschlüsse und Wahlen auch ohne Versammlung fassen können und zwar in einem schriftlichen Verfahren. Das geht unter normalen Umständen nur dann, wenn die Satzung entsprechende Regelungen enthält, was die Satzungen der meisten Genossenschaften – auch unsere – (noch) nicht tun.

Vorstand und Aufsichtsrat haben nunmehr entschieden, von diesen Regelungen Gebrauch zu machen und bis 30. Juni schriftliche Beschlussfassungen durchzuführen. Alle Mitglieder unserer Genossenschaft erhalten in den nächsten Tagen statt einer Einladung zur Mitgliederversammlung eine Einladung zur Teilnahme am schriftlichen Beschlussverfahren. Diese Einladung dokumentiert die Beschlussvorschläge, veröffentlicht die Kandidatenliste und informiert über Möglichkeiten zur Einsichtnahme in die Abschlussunterlagen.

Ihre Stellungnahme können sie mit einem Kreuz – bei „Ja“ (Zustimmung) oder „Nein“ (Ablehnung) – abgeben. Der Abstimmungszettel muss dann innerhalb der aufgedruckten Frist an die Genossenschaft zurückgeschickt werden, wo die jeweiligen Abstimmungsergebnisse festgestellt und protokolliert werden. Das mollmagazin 48 informiert im Sommer über die von den Mitgliedern getroffenen Entscheidungen. Die Mitgliederversammlung, die dann auch eine rege Diskussion zu den unterschiedlichen Fragen der Genossenschaft ermöglichen soll, wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Bis dahin bleibt die Hoffnung auf eine rege Beteiligung an dieser ungewohnten Form der Beschlussfassung in ungewöhnlichen Zeiten.

Misslich – Wenn das gemeinsame Eigentum nicht geachtet wird

Wir haben uns nicht entmutigen lassen und auch in diesem Jahr in den Aufgängen unserer Häuser Wasserschläuche installiert, mit deren Hilfe unsere Grünanlagen und Bäume vor den Häusern gewässert werden können. Nicht entmutigen meint: Im vergangenen Sommer sind in einigen Aufgängen immer wieder Anschlüsse, Spritzen – all jene Teile, die in Hand- oder Hosentasche passen – verschwunden.

Wir haben uns geärgert, uns oft gefragt, warum diese nicht allzu teuren und in jedem Baumarkt erhältlichen Teile so begehrt sind, und wir haben wieder und wieder nachgerüstet. Schließlich ging es um unsere Bäume, unser Grün, unser Klima, unser Wohlbefinden. Und unter der kreativen Auslegung einiger weniger in Bezug auf Genossenschaftseigentum sollten nicht alle leiden.

Trotzdem haben wir uns geärgert. Nicht des Geldes wegen, obwohl auch diese kleinteiligen Anschaffungen natürlich zu Buche schlagen, sondern weil wir unter genossenschaftlichem Zusammenleben tatsächlich etwas anderes verstehen, als diejenigen, die mal schnell und weil sie zu faul sind, zum Baumarkt zu fahren, ein Anschlussteil, eine Spritzdüse abschrauben und mitgehen lassen. Nun steht die Logistik fürs Bewässern wieder zur Verfügung, und wir haben bereits nach kurzer Zeit das gleiche Problem. Dinge verschwinden. Das ist ärgerlich, frustrierend, es ist einfach eine Sauerei.

Wir können nur appellieren und darum bitten, sich nicht auf Kosten der Nachbarinnen und Nachbarn, der Genossenschaft zu bedienen. Der nächste Baumarkt steht am Ostbahnhof, das ist wirklich um die Ecke. Auch dieser Sommer wird trocken. Zu trocken. Und unsere Bäume, die Sträucher, das Grün sind kostbares Gut. Es ist wunderbar, dass sich Nachbarinnen und Nachbarn finden, die wässern und pflegen.